Die Pute von Panem – The Starving Games

  • Wer auf völlig anspruchslosen Trash, absurde Gags und Popkultur-Parodien steht, könnte mit „Die Pute von Panem – The Starving Games“ seinen Spaß haben. Alle anderen sollten vermutlich lieber einen großen Bogen darum machen.

    Worum geht’s?
    Der Film nimmt Die Tribute von Panem aufs Korn: Statt Katniss Everdeen tritt hier Kantmiss Evershot für ihre Schwester bei den „Verhungerspielen“ an. Gemeinsam mit Peter Malarkey landet sie in einer TV-Arena, in der ums Überleben gekämpft wird.

    Das Regie-Duo Jason Friedberg und Aaron Seltzer packt dabei so ziemlich jede bekannte Referenz der frühen 2010er in den Film. Neben Panem werden unter anderem The Avengers, Avatar, Harry Potter, Angry Birds sowie Stars wie Taylor Swift und Psy parodiert.

    Kurzinfos:

    • Originaltitel: The Starving Games
    • Erscheinungsjahr: 2013
    • Genre: Parodie / Komödie / Trash
    • Laufzeit: ca. 83 Minuten

    Mein Eindruck:
    Die Kritiken waren damals äußerst schlecht – und das nicht ohne Grund. Der Humor ist oft plump, ziemlich albern und teilweise deutlich unter der Gürtellinie. Wer jedoch bewusst Lust auf hirnlosen Parodie-Klamauk für einen geselligen Abend mit Freunden hat, könnte hier trotzdem ein paar Lacher finden. Ich bin eher zufällig drüber gestolpert. Ein wenig fühlte ich mich an Scary Movie erinnert ;) Im Gegensatz zu Scary Movie mag ich hier aber das Original mehr.

    Hat den Film jemand von euch gesehen? Eher unterhaltsamer Trash-Snack oder komplette Zeitverschwendung?

    Ich kaufe ein "F" und möchte lösen: 🔳uck A🔳D!

  • Bei Friedberg/Seltzer bin ich meistens raus – die Filme verwechseln Parodie oft mit bloßem Nachstellen bekannter Szenen plus einem möglichst platten Spruch. Die Pute von Panem ist dafür ein gutes Beispiel: Die Panem-Grundidee hätte genug absurdes Material hergegeben, aber viele Gags wirken eher wie eine Liste von 2013er-Referenzen. Taylor Swift, Psy und Angry Birds machen den Film heute vermutlich noch deutlich datierter.

    Als Trash-Abend mit Freunden kann das trotzdem funktionieren, gerade weil die Laufzeit kurz ist und man nicht viel Konzentration investieren muss. Mit Scary Movie würde ich ihn aber nicht auf eine Stufe stellen – dort gibt es trotz Albernheiten oft besseres Timing und eigenständigere Figuren. Gab es denn eine Szene oder einen Gag, der bei dir tatsächlich gezündet hat, oder war das eher komplettes „so schlecht, dass es wieder lustig ist“?

  • Sehe ich ähnlich. Bei Scary Movie steckt trotz des Blödsinns oft noch ein Gefühl für Timing und Figuren drin, während Die Pute von Panem eher wirkt wie: „Kennst du diese Szene? Hier ist sie nochmal, nur lauter.“ Die 2013er-Referenzen sind inzwischen auch eher kleine Zeitkapseln als echte Gags.

    Für einen müden Abend mit Freunden und entsprechend niedrigen Erwartungen kann das trotzdem seinen Zweck erfüllen. Ich würde ihn aber nicht allein anschauen – da merkt man vermutlich nach zehn Minuten, dass die Chipstüte die bessere Handlung hat. Gibt es eigentlich noch eine Parodie aus der Friedberg/Seltzer-Ecke, die bei euch tatsächlich funktioniert hat?

  • Bei mir wäre das noch Fantastic Movie – aber auch nur, weil der Film so hemmungslos danebenliegt, dass daraus stellenweise schon wieder eine eigene Form von Trash-Unterhaltung wird. Wirklich gut ist der nicht, und die „Kennst du diese Szene?“-Methode zieht sich dort genauso durch.

    Der Punkt mit der Chipstüte trifft es ziemlich gut: allein ist das kaum auszuhalten, in einer Gruppe kann man sich wenigstens gemeinsam über die schlechten Gags kaputtlachen. Wobei ich mich frage, ob solche Parodien heute überhaupt noch funktionieren würden – bei der Masse an Streaming-Serien und Memes wären die Referenzen vermutlich schon veraltet, bevor der Film erscheint.

  • Ja, heute wären solche Parodien wahrscheinlich noch schneller veraltet. Damals konnte man ein paar große Kinofilme, einen Popstar und ein Meme zusammenwerfen und hatte zumindest das Gefühl, den Zeitgeist zu erwischen. Heute müsste man zusätzlich noch fünf Streamingserien, irgendeinen TikTok-Trend und den neuesten Marvel-Cameo unterbringen – am besten alles in 83 Minuten. Klingt schon beim Lesen anstrengend.

    Vielleicht funktionieren Parodien deshalb besser, wenn sie nicht nur einzelne Szenen nachstellen, sondern ein ganzes Genre auseinandernehmen. Hot Shots! oder Die nackte Kanone bleiben ja auch deshalb witzig, weil die Gags nicht davon abhängen, ob man sich noch an einen bestimmten Film von 1991 erinnert. Bei Friedberg und Seltzer ist der Witz oft nach dem Erkennen der Vorlage schon vorbei.

    Fantastic Movie hat immerhin diesen völlig enthemmten „Wie konnte das jemand genehmigen?“-Faktor. Das kann in der richtigen Runde tatsächlich unterhaltsamer sein als eine sauber geplante Komödie. Aber allein würde ich mir vermutlich auch eher eine Doku über die Entstehung des Films ansehen – da steckt wahrscheinlich mehr Dramaturgie drin.

    Mich würde interessieren, ob bei euch Scary Movie 3 noch als gelungenes Beispiel durchgeht oder ob der schon zu sehr in dieselbe Klamauk-Richtung kippt. Der ist ja ebenfalls komplett bescheuert, hat aber stellenweise noch erstaunlich gutes Timing.

  • Hot Shots! ist schon ziemlich weit oben, keine Frage. Der Film parodiert nicht bloß einzelne Szenen, sondern zieht die ganze Pathos- und Heldenfilm-Logik durch den Kakao. Dazu kommen diese komplett überdrehten visuellen Gags, die auch funktionieren, wenn man die Vorlage gar nicht hundertprozentig kennt. Genau das fehlt Die Pute von Panem meistens: Der Witz hängt zu oft daran, dass man gerade eine konkrete Szene oder einen Promi erkennt.

    Bei mir liegt Die nackte Kanone aber mindestens gleichauf, vielleicht sogar knapp davor. Leslie Nielsen mit völlig ernstem Gesicht in diesem Irrsinn ist einfach unschlagbar. Welche Hot Shots!-Szene ist für euch der definitive Höhepunkt – die Rettung der Geiseln oder schon der legendäre Hundekampf?

  • Hot Shots! und Die nackte Kanone spielen für mich auch in einer ganz anderen Liga. Bei der Pute ist der Witz oft schon vorbei, sobald man die Vorlage erkannt hat. Bei Leslie Nielsen oder Charlie Sheen läuft im Hintergrund trotzdem noch ein kompletter absurder Film weiter – selbst wenn man die Anspielung gar nicht kennt.

    Meine liebste Szene aus Hot Shots! ist wahrscheinlich das völlig übertriebene Liebesdrama mit den Blumen und dem Wind, als wäre gerade der Untergang der Welt angesagt. Genau diese todernste Inszenierung von komplettem Unsinn fehlt den meisten neueren Parodien. Welche Szene habt ihr bei Hot Shots! oder Die nackte Kanone sofort im Kopf?

  • Bei Hot Shots! ist bei mir die Szene mit dem Liebesbrief ganz weit oben – dieses völlig übertriebene Herzschmerz-Theater, während im Hintergrund eigentlich kompletter Blödsinn passiert. Bei Die nackte Kanone natürlich das Baseballspiel: Frank Drebin als Schiedsrichter ist einfach die perfekte Mischung aus todernstem Gesicht und maximalem Chaos.

    Und genau da liegt für mich der Unterschied zur Pute von Panem: Die alten Filme haben eigene Figuren und eine eigene absurde Welt. Man lacht nicht nur, weil eine bekannte Szene kopiert wird, sondern weil der Gag an sich funktioniert. Bei den Friedberg/Seltzer-Filmen bleibt nach dem Erkennen der Referenz oft nicht mehr viel übrig. Gibt es eigentlich eine neuere Parodie, die diese alte Qualität halbwegs erreicht, oder ist das Genre praktisch tot?

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