Assistenzsysteme im Auto

  • Moin, ich frage mich gerade, wie viel Assistenz im Auto wirklich hilfreich ist und ab wann sie eher nervt oder sogar gefährlich wird. Spurhalteassistent, Notbremsung, Abstandsregelung und Verkehrszeichenerkennung können sicher sinnvoll sein – aber manche Systeme greifen ziemlich hektisch ein oder piepen gefühlt bei jeder Kleinigkeit.

    Wie sind eure Erfahrungen damit? Welche Assistenten lasst ihr dauerhaft aktiviert, welche schaltet ihr direkt ab? Und wer trägt eurer Meinung nach die Verantwortung, wenn man sich zu sehr auf die Technik verlässt und sie trotzdem falsch reagiert?

  • Ich bin eine Zeitlang einen Transporter mit etlichen Assistenten gefahren. Spurhalteassistent und Notbremsassistent fand ich dabei eigentlich super, aber wie du schon schreibst - sie haben so ihre Tücken. Baustelle auf der Autobahn und ein Strichwirrwarr auf der Straße - K.O. für den Spurhalteassistenten.

    Was mich richtig genervt hat: Es geht bergauf. Auf der Bergkuppe ist ein großes Autobahnschild über der Straße. Mein Notbremsassistent ist da so oft in die Eisen gegangen - schrecklich. Aber das sind sicher Probleme, welche man beheben kann.

    Hier passen auch diese Touchscreens mit rein. Endloses Menügeklicke um eine Funktion einzustellen, die früher einen einfachen Schalter hatte. Oft klickt man sich da auch durch die endlosen Menüs um besonders nervige Assistenten (in meinem Fall war es der Seitenwindassistent) zu deaktivieren. Beim nächsten Start ist er wieder aktiv.

    Der Seitenwindassistent war bei dem Transporter einfach zu träge. Ich merke, oh, Wind von der Seite und lenke Instinktiv dagegen. Im selben Moment tut dies auch der Assistent und man rasiert den LKW, welchen man gerade überholt, fast den Spiegel weg.

    Der in meinen Augen sinnvollste Assistent ist der Abbiegeassistent, welchen der Transporter allerdings nicht hatte. Vielleicht hätte ich damals den Radfahrer nicht so einen Schrecken verpasst beim Abbiegen - den habe ich wirklich nicht gesehen, auch wenn ich mich halb verbogen hab in den Auto. Gehört hab ich ihn. Passiert ist nichts ... aber es hätte schlimmer enden können.

    Ich kaufe ein "F" und möchte lösen: 🔳uck A🔳D!

  • Das mit dem Autobahnschild über der Kuppe klingt nach dem klassischen Fall „technisch korrekt erkannt, trotzdem völlig daneben“. Wenn das Auto dabei mehrfach hart bremst, ist der Sicherheitsgewinn auch schnell dahin – der Hintermann bedankt sich dann vermutlich besonders herzlich.

    Den Spurhalteassistenten lasse ich auf langen, gut markierten Strecken gern arbeiten. In Baustellen, bei Schnee oder wenn alte und neue Fahrbahnmarkierungen gleichzeitig sichtbar sind, ist er für mich eher ein zusätzlicher Beobachter als eine Hilfe. Wichtig finde ich, dass man ihn wirklich mit einem Tastendruck abschalten kann und nicht erst durch vier Untermenüs muss.

    Bei Touchscreens sehe ich das ähnlich: Für Navi und Musik meinetwegen, aber Heizung, Scheibenwischer oder Assistenzsysteme sollten blind und direkt bedienbar sein. Während der Fahrt im Menü nach „Lenkunterstützung, Unterpunkt Sicherheit, Seite 3“ zu suchen, ist nun wirklich kein Fortschritt. Da wird aus Assistenz schnell Beschäftigungstherapie.

    Die Verantwortung bleibt am Ende beim Fahrer, klar. Aber Hersteller können sich damit nicht komplett aus der Affäre ziehen. Wenn ein System regelmäßig grundlos bremst oder hektisch lenkt, wird es irgendwann ignoriert oder dauerhaft abgeschaltet – und dann ist auch niemandem geholfen. Mich würde mal interessieren, ob jemand schon ein Auto hatte, bei dem sich die Empfindlichkeit der Assistenten vernünftig einstellen ließ, statt nur an oder aus.

  • …Menüs hangeln muss. Gerade wenn ein Assistent in einer Baustelle plötzlich gegenlenkt oder bremst, möchte ich nicht erst im Untermenü „Fahrzeug – Sicherheit – intelligente Unterstützung – vielleicht“ suchen. Ein echter Knopf wäre da schon fast Luxus.

    Bei der Verantwortung bleibt für mich der Fahrer dran, aber der Hersteller trägt Verantwortung für nachvollziehbare Grenzen und möglichst sanfte Fehlreaktionen. Lieber ein Hinweis oder kurzer Warnton als eine Vollbremsung wegen eines Schilds auf der Kuppe. Wie ist das bei euch: Speichert euer Auto die Abschaltungen dauerhaft, oder darf man das bei jedem Start wieder neu wegklicken?

  • Genau diese Abstufung fehlt mir bei vielen Systemen: warnen ist etwas anderes als unvermittelt eingreifen. Mein aktuelles Auto setzt den Spurhalteassistenten nach jedem Start wieder auf aktiv zurück – auf normalen Straßen okay, in Baustellen aber ziemlich nervig. Ich drücke dann jedes Mal denselben Knopf, was immerhin besser ist als ein Menü-Marathon. Bei einer Notbremsung sollte die Schwelle meiner Meinung nach außerdem deutlich höher liegen als bei einer Warnung.

    Die Verantwortung bleibt beim Fahrer, klar. Aber wenn ein System regelmäßig wegen Schilderbrücken oder verwirrender Markierungen falsch reagiert, ist das kein reines Bedienproblem mehr. Hersteller müssten solche Fehlreaktionen auswerten und per Update entschärfen, statt den Fahrer mit „Assistenz kann Fehler machen“ abzuspeisen. Speichern eure Autos die Einstellungen dauerhaft oder wird bei jedem Motorstart alles wieder zurückgesetzt?

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