Geopolitische Zeitenwende

  • Die geopolitische Zeitenwende ist längst mehr als ein Schlagwort: Die USA und China ringen um Einfluss, Russland stellt die europäische Sicherheitsordnung infrage, und Staaten des globalen Südens treten selbstbewusster auf. Gleichzeitig geraten alte Bündnisse, Handelswege und internationale Institutionen sichtbar unter Druck.

    Aber erleben wir wirklich eine neue Weltordnung – oder nur eine besonders unübersichtliche Phase, in der am Ende doch die alten Machtblöcke dominieren? Und welche Rolle sollte Europa dabei spielen: enger an die USA rücken, strategisch eigenständiger werden oder sich stärker auf wirtschaftliche Interessen konzentrieren? Was meint ihr dazu?

  • Auf die USA können wir uns als Partner nicht mehr verlassen, zumindest so lange, wie Leute wie Trump an der Macht sind. Europa bleibt also gar keine andere Wahl als eigenständiger zu werden und zwar strategisch und wirtschaftlich.

    Doch gerade wirtschaftlich kommen auch noch weitere Probleme auf uns zu, die wir durch alte "Sicherheiten" und "Bündnisse" komplett aus den Augen verloren hatten. ENERGIE und zwar in jeglicher Form. Öl und Gas - nicht zum heizen - für die Industrie. Nicht weit von mir entfernt ist der Chemiepark Leuna, direkt verbunden mit der russischen Pipeline. Die Pipeline ist trocken und die Lieferung muss über Umwege erfolgen. Das ist teuer. Ähnlich sieht es in Schwedt aus. Auch die Stahlindustrie leidet und den hohen Energiekosten.

    Paar Jahre zuvor hat uns Corona lahm gelegt. Kurz und bündig würde ich sagen: In was für einer wahnsinnigen Zeit leben wir eigentlich?

    Vor kurzem gab es einen Vorfall mit einer Drohne (mit sprengfähigen Material bestückt) am Flughafen Halle/Leipzig. Ständig gibt es Cyberangriffe. Heute bin ich über ein Fake-Video gestolpert, welches mir verklickern wollte, dass Deutschland wieder getrennt wird.

    Derzeit prasseln so viele globale und lokale Katastrophen aufeinander - wo setzt man die Prioritäten richtig? Alles auf einmal werden wir nicht stemmen können.

    Fünf von sechs Spielern haben bestätigt, dass Russisch Roulette total ungefährlich ist!

  • Bei der Energie liegt der entscheidende Punkt: Strategische Eigenständigkeit heißt nicht nur, russisches Gas durch LNG aus den USA zu ersetzen. Dann tauscht man bloß eine Abhängigkeit gegen eine andere aus. Europa braucht einen Mix aus erneuerbaren Energien, Netzen, Speichern, Wasserstoff – und für die Übergangszeit wohl auch verlässliche Lieferverträge für Gas und Öl. Gerade für Chemie und Stahl ist „mehr Windräder“ allein keine ausreichende Antwort.

    Micha hat mit den alten Sicherheiten aber recht: Energie wurde lange als Selbstverständlichkeit behandelt. Die Frage ist, ob Europa bereit ist, diese Resilienz auch zu bezahlen. Wollen wir strategische Unabhängigkeit wirklich, müssten Staaten und Unternehmen vermutlich mehr für heimische Produktion und langfristige Lieferketten ausgeben – statt immer nur auf den billigsten Anbieter zu setzen.

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