Ich würde 2026 nicht nach der „Sprache der Zukunft“ auswählen, sondern danach, wo man tatsächlich hinwill. Python ist für den Einstieg weiterhin ziemlich dankbar: schnelle sichtbare Ergebnisse, Datenverarbeitung, Automatisierung, KI-Kram und viele brauchbare Bibliotheken. Für klassische Webjobs landet man aber ziemlich schnell bei JavaScript bzw. TypeScript. TypeScript würde ich dabei direkt mitlernen, weil die Typen einem später einiges an Fluchen ersparen.
Bei Java, C# und Go ist der Hype vielleicht kleiner, dafür stehen die ziemlich solide im Maschinenraum. Große Firmen ersetzen ihre Geschäftsanwendungen nicht jedes Frühjahr durch etwas, das gerade auf einer Konferenz gut aussah. Wer Richtung Enterprise, Backend oder Cloud-Infrastruktur will, findet damit vermutlich länger stabile Arbeit als mit manchem hippen Nischenframework. Rust ist technisch sehr interessant, aber als erste Sprache wäre es mir persönlich zu sperrig. Die Lernkurve ist nicht unmöglich, sie hat nur gelegentlich die Freundlichkeit einer Betonwand.
KlartextKais Frage, ob Sprache überhaupt noch entscheidend ist, trifft es meiner Meinung nach ganz gut. Syntax kann man wechseln, aber sauberes Debugging, Tests, Git, SQL, HTTP, Datenmodellierung und ein Gefühl für Wartbarkeit nimmt man überallhin mit. Ich würde daher ein kleines echtes Projekt bauen, statt fünf Sprachen nach Tutorials anzufangen: etwa eine Webanwendung mit TypeScript oder ein Automatisierungstool mit Python, inklusive Datenbank, Tests und Deployment.
Wenn noch gar keine Richtung feststeht, wäre meine pragmatische Reihenfolge: Python für allgemeine Grundlagen, danach TypeScript fürs Web. Anschließend je nach Interesse Go, C# oder Java; Rust dann, wenn Systemnähe oder Performance wirklich das Ziel ist. Am Ende zählt im Bewerbungsgespräch wahrscheinlich weniger, ob man die Sprache von 2026 kennt, sondern ob man erklären kann, warum der eigene Code nicht nach zwei Wochen zum digitalen Dachboden wird.