Twitter: Der Deal ist durch, Musk hat nun das Sagen

Letzte Aktualisierung: 29. Oktober 2022 um 12:40 Uhr von Madekozu

Als Einstand hat er auch erstmal die komplette Chefetage gefeuert, inkl Twitter-Chef Agrawal und die für den Kampf gegen “Hassrede und Falschinformation” eingesetzte Top-Managerin Vijaya Gadde. Folgen wird mit Sicherheit noch der Rest, der sich gegen Hass und Hetze einsetzt.

Noch ist Trump’s Account gesperrt.

Es wird sicher auch nicht mehr lange dauern, bis Trumps Account wieder entsperrt ist. Gut – scheinbar will er eh nicht zurück zu Twitter, aber sein Netzwerk läuft ja nun nicht gerade pralle – wer weiß – vielleicht kommt er ja doch wieder. Reichweite dürfte da auf jeden Fall größer sein. Theoretisch wird es demnächst wohl keine gesperrten Accounts mehr geben. Musk brüstet sich ja damit, den Vogel befreit zu haben (Besitz = Befreiung?) und faselt ja immer wieder von “Free Speech”, verdrängt dabei aber völlig, daß Freiheit nicht heißt, alles tun und machen zu dürfen.

Dieses Bild twitterte Musk vor einigen Tagen und es sagt so ziemlich gut aus, wo die Reise hingehen soll.

Nun denn – ich beobachte den brennenden Vogel mal weiter, mal schauen was noch passiert. Leute rausschmeißen kann er – hat er ja gezeigt. Mal schauen was er noch kann – Twitter kann er aus PR-Gründen nicht mal eben ins All schießen wie eine Akkukarre. Mal schauen was er macht, wenn das Vögelchen flügellahm wird und auch noch hinkt.

Alternative? Klar – das Fediverse. Mich findet ihr hier, aber:

Ich hatte ja meinen Twitter-Account bei Ankündigung der Übernahme gelöscht, sehe das allerdings nun doch etwas anders. Was bewirkt die Löschung – Richtig – kein Gegenwind mehr – mag Twitter irgendwie nicht Querdenkern, Rechten und reichen Säcken allein überlassen, dafür haben die doch schon andere Plattformen – nee – hier wird weiter dagegen gehalten, hab dafür letzten Monat (wie einige andere auch) ja auch wieder einen Account erstellt. Mal schauen ob wir ungemütlich genug sind/werden und ob “Free Speech” am Ende doch nicht für alle gilt.

Was Mastodon angeht – da gibt es seit gestern einen Ansturm. Auch viele Twitter-Bekannte, Promis und Politiker haben den Weg zu Mastodon in den letzten Wochen und Monaten gefunden. Bin mal gespannt ob sie etwas geduldiger sind als Jan Böhmermann z.Bsp., der Anfangs doch so seine Problemchen hatte – vor allem was die Reichweite anbelangt. Nun, ich denke mal das Problem wird sich vielleicht bald legen. Kann aber natürlich auch sein, daß viele sich sagen: “Hmm, seit Musk ist es für mich auf Twitter aber auch nicht anders, da bleib ich einfach dort”.

Ja – zum Einen will man am liebsten gehen, weil man nicht zu den “Hörigen eines neuen Führers” gehören will, aber zum Andern sind wir wieder an dem Punkt von oben – es ist irgendwie “taktisch unklug” zu gehen. Erst braucht Musk und sein neues Gefolge noch Gegenwind bis er und sie die Lust am Twittern verlieren … erst dann können und sollten wir gehen. Bis dahin sollten wir uns natürlich auch schon im Fediverse eingelebt haben und so gut wie keine Möglichkeit auslassen auf Mastodon zu verweisen.

Übrigens: https://twitter.com/ThierryBreton/status/1585902196864045056
Das sollte man bei dem Ganzen Wirbel nicht vergessen. So “frei” wie Musk es gerne hätte, ist Twitter nicht – zumindest bei uns gelten da noch andere Spielregeln an die sich Musk halten muß, falls er sein neues Sprachrohr auch weiterhin in unsere Richtung halten will.

Warum wird Musk derzeit eigentlich als Sieger gefeiert? Er hat den Deal einen Tag vor Ablauf einer Frist über die Bühne gebracht, die ihn am Ende dazu gezwungen hätte, Twitter zu kaufen. Nach Gewinner sieht mir das nicht gerade aus. Musk ist Geschäftsmann – Twitter nicht gerade rentabel und das bisschen Gewinn könnte sich schnell erledigt haben, wenn Musk diverse gesperrte Accounts wieder frei gibt. Das erklärt auch das Zögern. Einige Werbepartner haben schon angemerkt, daß für sie damit eine Linie überschritten wäre und sie die Kooperation beenden würden. Damit könnte sein neues Sprachrohr auch schnell zu einem teuren Hobby werden. Ich geh mal davon aus, daß das nicht unbedingt in seinem Sinne wäre.

Es ist aber nicht alles schlecht, was Musk mit Twitter vorhat. In der Vergangenheit erwähnte er mal, eine Klarnamenpflicht auf Twitter einführen zu wollen. Je länger ich darüber nachdenke … wieviel Schwurbler und AfDler würden dann noch ihr Maul so weit aufreißen? Doch, das hätte sogar etwas Gutes. Bringt aber nichts, wenn es nicht geprüft wird … und eine Prüfung würde meinen Datensatz vollständig machen – auch irgendwie nicht so das Wahre.

31 Gedanken zu „Twitter: Der Deal ist durch, Musk hat nun das Sagen“

    • Bin mal gespannt ob die Begeisterung beim BfDI diesmal länger anhält als bei Telegram damals. Auch Telegram wurde vor Jahren mal als Alternative empfohlen – damals als Ersatz für WhatsApp. Heute ist Telegram aber böse, wegen Schwurbelgruppen etc.

      Gleiches kann natürlich auch im Fediverse passieren – kann ja schließlich jeder seine eigene Instanz zusammenbasteln (welche aber zum Glück von der “Heimatinstanz” komplett geblockt werden können).

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    • Ich hoffe das “meine” Instanz bald wieder rund läuft. Lokale Zeitleiste hinkt aktuell 2h hinterher. Die Probleme haben da am Samstag langsam angefangen – man merkt den Ansturm direkt. Da kommen die Server gerade mächtig ins Schwitzen.

      Muß aber dazu sagen, daß ich auch auf der (vermutlich) vollsten Instanz mastodon.social bin, da ich mich damals (wie das klingt – war Ende April 2022) einfach für die Instanz der Entwickler entschieden habe, weil ich ein wenig Angst hatte, daß kleineren Instanzen das Interesse oder die Finanzen zur Unterhaltung ausgehen.

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  1. “Twitter verzeichnete einen massiven Umsatzrückgang, da Aktivistengruppen Werbetreibende unter Druck setzten”

    –>> https://bird.trom.tf/elonmusk/status/1588538640401018880#m

    Könnte es nicht vielleicht auch einfach nur daran liegen: Elon Musk, Verschwörungstheorien, Hass und Hetze? Tesla bietet sich doch bestimmt als Werbepartner an – wie wärs denn mit denen? Gibt bestimmt auch paar Waffenhändler die gern Werbung schalten – Kundschaft ist da genug da.

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  2. Anwalt Jun: Darf man Twitter zumuten, sich an deutsches Recht zu halten?
    –>> https://www.youtube.com/watch?v=5SS2g3FXTQc

    Hier geht es unter anderem um das Löschen (wirkliches Löschen und gelöscht bleiben) von Inhalten, die gegen deutsches Recht verstoßen. Nach der Reaktivierung eines Accounts sind die gegen geltendes Recht verstoßenden Inhalte wieder online gewesen – Löschen ist etwas anderes. Aber auch gemeldete Inhalte zu prüfen (was Musk ausschließlich über Algorithmen machen will) kann eine Menge Arbeit sein. Dafür waren ja auch die vielen Leute zuständig, die Musk, bis auf 2, alle gefeuert hat. Das Prüfen kann dabei durchaus auch größere Recherchen mit sich ziehen – das wird sehr oft unterschätzt.

    Schleichwerbung: Schaut euch auch ruhig andere Videos von ihm an. Anwalt Jun hat eine Art, “Juragedöhns” zu erklären, ohne dass es wie “typisch Youtube” wirkt. Interessant und durchaus auch mit einem feinen Sinn für Humor (besonders wenn es um Quatsch-Jura geht).

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