Galeria Kaufhof braucht wieder Staatshilfe

Letzte Aktualisierung: 31. Oktober 2022 um 18:39 Uhr von Madekozu

Ja, die Zeiten sind hart, aber sollte man wirklich (schon wieder) in Galeria Kaufhof reinbuttern? Ganz ehrlich, das wäre doch ein Schlag in die Fresse für jeden kleinen Laden oder Handwerksbetrieb, die auch kaum bis gar nicht mehr über die Runden kommen.

Auch wenn es die letzten einer aussterbenden Art sind – nein – auch hier sollte die übliche Empfehlung “von oben” befolgt werden: Macht mal temporär zu bis es wieder besser aussieht. Das wird den “kleineren” ja auch empfohlen. (Ja – ich weiß, daß das absoluter Blödsinn ist). Man hat doch schon vor Jahren gemerkt, daß sich ohnehin vieles verändert hat. Hätte man da nicht vorher schon einmal etwas in die Wege leiten können? Verkleinern zum Beispiel – so ein riesen Palast frisst viel Energie – klar das einem dies heute das Genick bricht.

Nein, im Ernst – solche Shopping-Oasen wie Galeria Kaufhof trifft nun mal das gleiche Schicksal wie allen anderen auch. Wer hat damals den kleinen “Tante Emma”-Läden geholfen, als die Shopping-Paläste ihnen den Boden unter den Füßen weggerissen haben? Man braucht sich doch nur in den Innenstädten umschauen – gibt kaum noch kleine Läden und die paar die es noch gibt, haben auch unter der Inflation und Energiekrise zu leiden, nur mit den Unterschied, daß ihnen vorher schon Läden wie Galeria Kaufhof das Leben schwer gemacht haben.

Auch Galeria Kaufhof hat keine Zukunft mehr und daran sind nicht nur die aktuellen Krisen schuld. Warum irgendwo anders shoppen gehen, wenn doch Versandhäuser und ihre Sklaven alles bis vor die Wohnungstür bringen? Daran hat man sich ge- und verwöhnt, Sieger sind am Ende wieder Amazon und Co und da sollte man eher mal ansetzen, da hätten mehr was davon.

Macht dicht, wie es andere auch müssen. Klar – da hängen nicht wenige Arbeitsplätze dran, aber es sind am Ende auch nicht mehr Existenzen wie bei den zig tausenden “Kleinen” die dicht machen müssen.

Update vom 31.10.2022:
Nachdem der dritte Kredit aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfond abgelehnt wurde, beantragt Galeria wieder eine Schutzschirm-Insolvenz.

Wahrscheinlich müssen weitere Filialen geschlossen werden: Galeria Karstadt Kaufhof sucht erneut Rettung in einem Schutzschirmverfahren – schon zum zweiten Mal in weniger als zwei Jahren.

Quelle: https://www.tagesschau.de/wirtschaft/unternehmen/galeria-insolvent-101.html

13 Gedanken zu „Galeria Kaufhof braucht wieder Staatshilfe“

  1. Ja, eine Schließung wäre schade für die Mitarbeiter, aber selbst vor Corona war ich schon ewig nicht mehr in einem Kaufhaus, höchstens mal bei Ikea.

    Mein Konsum ist aber generell zurückgegangen. Lebt sich so viel entspannter, denn Eigentum verpflichtet auch. Was man besitzt, will benutzt und gepflegt bzw. repariert werden.

    Wenn ich etwas online bestelle, dann habe ich auch darüber vorher gut nachgedacht. Ich will z. B. nicht 14x verschiedene Paar Schuhe hin und her schicken, bis ich dann das EINE gefunden habe, das mir wirklich passt und gefällt. Ökologisch halte ich so was für den größten Quatsch, den mancher/manche da heutzutage macht, nur weil der Rückversand (für sie) kostenlos ist.

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    • Gerade die kostenlosen Rücksendungen sind auch mir ein Dorn im Auge. Was Amazon betrifft, soll man diese wohl demnächst auch unverpackt in den Postfillialen abgeben können und die Mitarbeiter dort sollen dann verpacken – ein Unding und genau der falsche Weg.

      Das meinte ich aber unter anderen auch mit “da sollte man mal ansetzen”.

      Die Kaufoasen haben eigentlich schon sehr lange keine wirkliche Daseinsberechtigung mehr. Zum einen sind sie oft viel zu teuer, da ja viele Mitarbeiter, der Unterhalt für die Verkaufs- und Lagerflächen etc. mit finanziert werden müssen. Aber auch Preisvergleiche etc … wo geht das besser als im Internet und mit einem weiteren Klick ist es bestellt. Das sollte man wohl langsam aber sicher akzeptieren, auch wenn es für die Mitarbeiter schmerzlich ist.

      Was mich aber gerade bei Galeria Kaufhof (Karstadt und was noch dazu gehört) aber am meisten aufregt: Seit 20 Jahren wird da nun schon immer wieder eine Finanzspritze gegeben um die Leiche am Leben zu halten. Der Inhaber ist aber stinkreich – da stimmt doch irgendwas nicht. Der kleine Bäcker von nebenan muß doch auch schauen wie er zurecht kommt, zum Beispiel mit privaten Mitteln. Einen Vorwurf kann man den Inhaber von Galeria deshalb aber auch nicht machen – der nutzt ja am Ende auch nur, was ihm die Politik hinterher wirft … die erhofft sich dadurch Wählerstimmen .. man wäre ja schon blöd wenn man das nicht ausnutzen würde. Falsch ist es aber auf jeden Fall – das Ding gehört eingestampft, fertig aus.

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  2. Worauf wir wieder beim Thema sind:
    –>> https://www.youtube.com/watch?v=RF0BzYQtLs4

    Wo sind da die Staatshilfen um die Energiekrise zu überbrücken? Bei so einem Betonklotz wie Galeria ist es mir völlig egal, aber JEDER noch existierende Dorfladen sollte irgendwie gerettet werden und im Gegensatz zu Galeria sehe ich da auch einen Sinn.
    So ein Dorfladen ist nicht einfach nur ein Laden wo man einkaufen geht – in vielen Dörfern ist es das Zentrum und der letzte Sozialknoten den es noch gibt. Den Betonklotz in der Stadt braucht kein Mensch – aber viele, vor allem die älteren Bewohner eines Dorfes wissen einen Dorfladen zu schätzen.

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    • Mich täte ja mal interessieren, um wie viel die Preise im Laden hätten konkret steigen müssen, also z. B. Stück Butter von 2,80 Euro auf 3,30 Euro, damit die Inhaberin das 1.800 Euro Mehr an Energiekosten hätte schultern können und ob die Dorfbewohner das dann noch bezahlen würden. Auch die haben ja bereits höhere Ausgaben wegen der Inflation und den Energiepreisen. Ohne den Laden müssen sie jetzt natürlich weiter fahren.

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      • Sofern sie fahren können – kann ja auch nicht jeder und ÖPNV auf Dörfern ist ja auch wieder so eine Sache für sich.

        Preise einfach rauf funktioniert auch nicht – kann sich kaum einer leisten, vor allem weil die kleinen Dorfläden ohnehin meist schon teurer sind/sein müssen als Läden in besseren Lagen. Sicher, die meisten von denen, die auf den Laden angewiesen sind, würden auch höhere Preise schlucken, dann aber vermutlich zwangsläufig den Konsum drosseln – mehr Geld haben sie ja auch nicht.

        Der Hammer ist ja – es sind ja nicht nur die Energiekosten. Um eine fertige Wurst in Scheiben zu schneiden braucht es einen Metzger? Wer lässt sich denn so einen Blödsinn einfallen. Als nächstes dann eine abgeschlossene Bäckerausbildung weil sie Brezeln in den Ofen wirft? Da sind immer so viele Kleinigkeiten die am Ende das Fass zum überlaufen bringen. Muß das denn wirklich sein?

        Dorfläden haben so schon immer ums Überleben kämpfen müssen, jetzt wird es für die wenigen die es noch gibt, noch schwerer. Ich könnte da explodieren wenn irgendwelche Konzerne oder große Ketten dann ankommen und jammern – uns geht es so schlecht. Da bekomm ich nicht nur Puls sondern könnt nen Strahl kotzen.

        Mein Lieblingsbäcker in Stuttgart hat diesen Monat auch dicht gemacht, auch Genickbruch wegen Stromkosten. Da werden noch so viele dran kaputt gehen. Das ist frustrierend.

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        • “Preise einfach rauf funktioniert auch nicht – kann sich kaum einer leisten” -> Weißt du’s? Einfach fragen, statt vermuten. Geht zwar sicherlich vielen tatsächlich so, aber du weißt auch, dass viele andere Deutsche gern auf hohem Niveau jammern. “Jetzt kann ich nur noch 2x im Jahr auf die Malediven fliegen.”

          Stimmt, die eigene Weiterbildung bzw. das Einstellen eines Metzgers klingt wie behördlicher Schwachsinn. Habe spontan aber nichts gefunden, was besagt, dass das jetzt neu wäre und wieso.

          Wenn es um so etwas wie “(Frisch)fleischtheken in Supermärkten” geht, dann gilt das schon seit 2018 und beinhaltet: “Der Verkauf von Frischfleisch setze unter anderem Kenntnisse über Chemie, Biochemie und Bakteriologie des Fleisches, über die Beschaffenheit, Lagerung und Verwendung von Fleisch und Fleischerzeugnissen, über die Verfahren zur Haltbarmachung von Fleisch und Fleischerzeugnissen, und über die einschlägigen gewerbe-, hygiene- und lebensmittelrechtlichen Vorschriften voraus.”

          Auch wenn sie sagt, sie verkaufe gar kein Frischfleisch, will die Behörde das wohl wegen “Wurst = Fleischerzeugnis” durchsetzen.

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          • > Weißt du’s?

            Bin mir da ziemlich sicher – ich wohne auf dem Land, bin auf dem Land groß geworden und sehe/habe gesehen wie in den Dörfern ringsum ein Laden nach den anderen dicht machen musste. Von denen, die dann “Pech haben”, fliegt auch sicher keiner auf die Malediven. Das sind meist alte Leute die im Dorf noch ein Haus haben, welches sie von ihrer kleinen Rente irgendwie versuchen in Schuss zu halten. Viele von denen können auch nicht einfach mal in die nächste Stadt fahren um einzukaufen. Eine zeitlang hat man es dort mit einem “rollenden Dorfladen” versucht, welcher eben auch nochmal ein wenig teurer war – das Ende vom Lied – es waren eben nur die paar Rentner die sich “diesen Luxus” geleistet haben. In einigen dieser Dörfer wohnen auch nur noch diese Rentner – wer konnte, ist da schon weggezogen – das kann aber eben nicht jeder.

            Noch schlimmer sieht es “in meiner alten Heimat” aus. Wer da kein Auto hat, braucht ein Taxi, egal ob er Einkaufen, zum Arzt oder zum Geldautomaten will. Dort ist das ‘Dorfzentrum” nur noch der Friedhof.

            Was soll man den Leuten sagen? Tja – da habt ihr Pech, zieht doch weg? Oder soll ein 80 Jahre altes Mütterchen mit dem Fahrrad in die nächste Stadt (sind dort mal eben so um die 20km) oder von der mickrigen Rente ein Taxi rufen? Selbst wenn da Öffis fahren würden (ja – 2x am Tag fährt auch dort was, aber das sind Schulbusse), kann man dem Mütterchen wohl kaum zumuten ihren Wocheneinkauf so zu schleppen. Im Dorfladen könnte sie jeden Tag vorbei und mitnehmen was sie noch tragen kann. Aber jeden Tag mit den Öffis das machen? Nee – da reicht das Geld nicht, auch nicht wenn man nochmal fragt.

            Dabei jammert das Mütterchen auch weniger als ein SUV-Fahrer an der Zapfsäule. Aber nur weil sie nicht jammert, sollte man sie nicht derart abhängen. Ich bleib dabei – bevor man irgendwelchen Betonklötzen Kohle in den Hintern schiebt, sollte man auch mal an diese Leute denken, anstatt zu verlangen, daß sie im hohen Alter noch das Haus verlassen, in dem sie eventuell sogar geboren wurden.

            Mein Vater war mitte der 90er Bürgermeister von 3 solchen Dörfern. Schon damals gab es ähnliche Probleme und sie wurden meist ignoriert. Ihm lag viel daran, irgendwas da auf die Reihe zu bekommen und hat da auf Granit gebissen. Zur gleichen Zeit wurden aber auch dort größere Firmen künstlich am Leben gehalten – dafür hat es gereicht. Von diesen Firmen gibt es heute jedoch keine einzige mehr, es hat also absolut nichts gebracht. Von dem Geld was da in den Sand gesetzt wurde, hätte man die kleinen Läden durchgehend bis heute unterstützen können, aber das hätte man ja gar nicht gebraucht. Dort waren nicht die Energiekosten das Problem, sondern die bauliche Substanz der Gebäude. Man hätte diese nur renovieren müssen, mehr nicht. Man hat aber gewartet bis die Händler aufgegeben haben, hat die Gebäude abgerissen und Wohnungen in Dörfern gebaut, welche Einwohner verlieren. Diese Gebäude standen danach fast 10 Jahre leer, keine Ahnung was da heute ist, aber viel besser wird es nicht sein.

            Jetzt zurück zu Galeria. Wieviel waren das in den letzten Jahren? Irgendwas um die 700Mio welche man genau so gut verbrennen könnte – was könnte man mit diesen 700Mio alles machen, aber im Dorf sind eben zu wenig Wähler – von daher wird da nie was passieren.

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            • Ich weiß nicht, ob *mir* ein Leben auf dem Dorf gefallen würde, schließlich lebe ich bereits mein ganzes Leben (>45 Jahre) in einer Stadt und dann auch gleich noch in der größten Deutschlands. Dort allerdings eher am Stadtrand. Seit 2-3 Jahren frage ich mich jedoch, wo das mit der Landflucht noch enden soll. Wir bauen in den Städten immer enger und höher, Grünflächen verschwinden. Dazu Verkehrschaos, Lärm, Luft- und Lichtverschmutzung usw. Deshalb die Dörfer wieder attraktiver zu machen, erschiene mir lohnenswert. Dank Corona wurde doch an vielen Stellen festgestellt, wie viel Remote Work möglich ist. Fehlt halt “nur” wieder die TK-Infrastruktur auf dem Land.

              Vor ein paar Monaten sah ich mir an: https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/unsere_geschichte/Unsere-Doerfer-Niedergang-und-Aufbruch,sendung1199918.html

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